Dienstag, 22. Mai 2012

Blog zum Brennpunkt Gleichstellungsrecht

Blog rund um das Thema Gleichstellungsrecht

07.05.2012

Blog rund um das Thema Gleichstellungsrecht


Kristin Rose-Möhring ist Gleichstellungsbeauftragte im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Außerdem ist sie Mitherausgeberin der Fachzeitschrift „GiP - Gleichstellung in der Praxis“. In diesem Blog schreibt sie nicht nur über rechtliche Themen, sondern auch über die Rolle und das Selbstverständnis einer Gleichstellungsbeauftragten, über Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerken und vieles mehr.
Social Media Toolbar Social
Social Media Toolbar Print
Social Media Toolbar Mail
1 Bewertung

Kristin Rose-Möhring | 09.01.2012

Männer, Macht und Missbrauch

Das Jahr 2011 war nicht nur ein Jubiläumsjahr für die Gleichstellung (siehe Blogbeiträge vom 3.1., 6.6., 1.8., 12.9. und 26.9.2011). Es hatte definitiv auch seine Schattenseiten, insbesondere im Hinblick auf den Missbrauch der Macht sogenannter großer Männer gegenüber Frauen in sexueller Hinsicht. Fast täglich berichtete die Presse über Vorwürfe der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigung.



Liebe Leserin, lieber Leser,

vier eklatante Fälle füllten übers Jahr die Medien: Der mögliche Anwärter auf das französische Präsidentenamt Dominique Strauss-Kahn – obwohl als notorischer Schürzenjäger und für z.T. auch gewalttätige Übergriffe auf Frauen bekannt – konnte beim Vorwurf der Vergewaltigung eines „Zimmermädchens“ über seine Anwälte die Glaubwürdigkeit des Opfers erschüttern lassen und die Anklage wurde entsprechend dem US-amerikanischen Rechtssystem fallen gelassen. Allerdings läuft noch die zivilrechtliche Klage gegen ihn, im eigenen Land droht ihm weiteres „Ungemach“ und zumindest die Präsidentschaftskandidatur ist futsch.

In Italien sah sich der Ministerpräsident Berlusconi wegen seiner „Bunga-Bunga“-Partys – was für ein Wort! – und mutmaßlicher Begünstigung der Prostitution Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und massiven Vorwürfen wegen des Missbrauchs Minderjähriger ausgesetzt. Dies trieb schließlich Italienerinnen in Scharen zu Demonstrationen auf die Straße, zumal auch Berlusconis Medienimperium seit Jahren ein übersexualisiertes Frauenbild propagiert. Ende 2011 musste er zurücktreten.

„Wetterfrosch“ Jörg Kachelmann kam über Monate nicht aus den Schlagzeilen, als sein Fall – Vorwurf: Vergewaltigung einer Freundin – vor Gericht verhandelt wurde. Er wurde zwar freigesprochen, aber es war ein Freispruch dritter Klasse, denn massive Zweifel blieben. Angesichts des Mangels an Beweisen musste das Urteil lauten: „Im Zweifel für den Angeklagten“. Seine TV-Karriere aber ist futsch, die Glaubwürdigkeit seines möglichen Opfers allerdings auch.


Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav wurde 2010 wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung sowie Behinderung der Justiz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er war so weit gegangen, die Frauen, die er belästigen wollte, vorab unter Druck „Verehrerinnen-Briefe“ schreiben zu lassen, damit er später etwas in der Hand hatte, falls sie gegen ihn vorgehen wollten. Perfide, aber es nützte ihm nichts. Nach Bestätigung der Verurteilung durch das Oberste Gericht musste er im Dezember 2011 seine Haftstrafe antreten.


In aufgeklärten Zeiten wie den unseren sind solche Fälle erschreckend. Oder kommt nur einfach mehr ans Licht und Frauen wehren sich offensiver? Das zumindest wäre ein Fortschritt, aber die Frauen sind in diesen Fällen auch immer doppelt Opfer und kaum eine würde diesen Weg wieder gehen.

Sicher sind die genannten Fälle besonders dramatisch, weil politisch bedeutend und/oder besonders pressewirksam. Sie sind aber mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs. Sie machen deutlich, wie weit wir von Gleichberechtigung noch entfernt sind, denn einige mächtige Männer nehmen sich „ihr“ vermeintliches Recht einfach – auch im Behördenalltag, wenn vom „Chef“ Sätze fallen wie „Bewegen Sie Ihren hübschen Ar… sofort hierher“.

 

Von Gleichstellung wollen wir hier erst gar nicht reden. Oder kennen Sie Fälle sexuellen Machtmissbrauchs durch einflussreiche Frauen in der oben beschriebenen massiven Form oder auch nur Bemerkungen wie die zuletzt genannte? Göttin sei Dank vermutlich nicht.

Gut, dass es im Bundesgleichstellungsgesetz zumindest die Hilfe durch die Gleichstellungsbeauftragte gibt. Ihre Aufgabe ist gemäß §19 (1) auch der Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Verantwortlich für die Umsetzung des Gesetzes aber sind auch alle Beschäftigten, insbesondere die Führungskräfte, bei diesem Thema vor allem die männlichen.

Ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Auf ein diskriminierungs- und belästigungsfreies 2012!

 

 

Herzlich,

Ihre Kristin Rose-Möhring

Beitrag jetzt bewerten:


Social Media Toolbar Social
Social Media Toolbar Print
Social Media Toolbar Mail


Kommentar zum Artikel schreiben


Bitte benachrichtigen Sie mich bei neuen Kommentaren




wird nicht veröffentlicht



Sie sind nicht eingeloggt. Wenn Sie sich anmelden, müssen Sie in Zukunft Name und E-Mail-Adresse nicht mehr eingeben.

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Die Zeichen im Bild sind unleserlich. Generiere einen neuen Sicherheitscode.

Bitte geben Sie hier die Zeichenkombination ein, die im Bild angezeigt wird.
Dies dient der Spamvermeidung.




Kommentarrichtlinien:

Wir freuen uns über Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie dabei:
Die Blog-Kommentarfunktion soll eine sachliche Diskussion ermöglichen. Um dies zu gewährleisten behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu löschen, die einer solchen Diskussion nicht förderlich sind und sich nicht auf die Beiträge beziehen. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung (Die Kommentarrichtlinien im Detail).

Dr. Alexander Ostrowicz

Merkblatt Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Softcover