Blog: Lohnsteuerrecht

Individuelle Zuzahlungen des Arbeitnehmers zur PKW-Nutzung

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02.10.2017
 

Mit Datum 21.09.2017 hat die FinVerw auf drei aktuelle BFH-Urteile in diesem Bereich reagiert und die Rahmenbedingungen in einem BMF-Schreiben festgelegt, auf welche Weise vom Arbeitnehmer selbst getragene Aufwendungen bei der Überlassung eines Firmenwagens zu berücksichtigen sind. Das zu dieser Thematik bereits bestehende BMF-Schreiben vom 19.04.2013 wurde zeitgleich aufgehoben.

Liebe Leserin, lieber Leser


wie ich neulich gelesen habe, werden nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie rund zwei Millionen Firmenwagen auch privat genutzt. Diesen, durch die private Nutzung entstehenden geldwerten Vorteil, versteuert der Arbeitnehmer in der Regel pauschal mit einem Prozent des Listenpreises pro Monat. Für einen Wagen mit einem Neupreis von 40.000 Euro müssen demnach 400 Euro pro Monat versteuert werden. Kann der Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt werden, erhöht sich grundsätzlich der geldwerte Vorteil für jeden Kalendermonat um 0,03 % des obigen Listenpreises für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und ebendieser ersten Tätigkeitsstätte. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die auf die außerdienstlichen Fahrten entfallenden tatsächlichen Gesamtkosten des Firmenwagens als individuellen Nutzungswert anzusetzen.

So weit, so bekannt. In einer Vielzahl von Fällen vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer aber mittlerweile eine Beteiligung des Arbeitnehmers an den Kfz-Kosten. Zahlt der Arbeitnehmer für die Möglichkeit, den Firmenwagen auch privat nutzen zu dürfen, ein pauschales Nutzungsentgelt, mindert sich folglich in dieser Höhe auch der geldwerte Vorteil. Auch insoweit nicht neu.

Was aber, wenn der Arbeitnehmer eine Zuzahlung in Höhe von einzelnen, laufenden Kosten zum Firmenwagen leisten muss? Oder was passiert, wenn das Nutzungsentgelt, z. B. bei der Übernahme der Leasingraten, den geldwerten Vorteil übersteigt?

Bisher galt – auch höchstrichterlich – das die vollständige oder teilweise Übernahme nur einzelner Kfz-Kosten, wie Benzinkosten für Urlaubsfahrten, nicht zu einer Minderung des geldwerten Vorteil führt. Ein den Nutzungswert übersteigendes Nutzungsentgelt, führt zudem weder zu negativem Arbeitslohn noch zu Werbungskosten.

Erfreulicherweise änderte der BFH nunmehr seine Rechtsansicht und die FinVerw folgt. Auch einzelne, individuelle Kfz-Kosten, die der Arbeitnehmer selbst getragen hat, werden nun zu seinen Gunsten auf den geldwerten Vorteil angerechnet. Dies setzt für das Lohnsteuerabzugsverfahren aber voraus, dass der Arbeitnehmer die von ihm selbst getragenen Kosten dem Arbeitgeber zumindest einmal im Jahr umfassend darlegt und nachweist. Die Originalbelege verbleiben beim Lohnkonto des Arbeitnehmers. Allerdings kann der geldwerte Vorteil durch Zuzahlungen des Arbeitnehmers und vom Arbeitnehmer getragene, individuelle Kosten, nach zwei weiteren aktuellen Entscheidungen des BFH auch weiterhin lediglich bis zu einem Betrag von 0 Euro gemindert werden. Auch ein Werbungskostenabzug scheidet aus.   

Bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der Fahrtenbuchmethode gilt grundsätzlich auch weiterhin, dass vom Arbeitnehmer selbst getragene Kfz-Kosten von vornherein nicht zu den Gesamtkosten des Firmenwagens gehören. Dies hat zur Folge, dass der geldwerte Vorteil von entsprechend niedrigeren Gesamtkosten ermittelt wird. Allerdings beanstandet es die FinVerw nicht, wenn alternativ, die vom Arbeitnehmer getragenen Kfz-Kosten in den Gesamtkosten des Firmenwagens verbleiben und die getragenen Kfz-Kosten als Nutzungsentgelt auf den individuellen geldwerten Vorteil bis maximal auf 0 Euro angerechnet werden.

Diese Meistbegünstigungsregelung geht über die aktuelle Rechtsprechung hinaus und ist für die Praxis positiv. Denn je nach Höhe der Gesamtkosten und dem Verhältnis der privat zu den insgesamt gefahrenen Kilometern, kann entweder die eine, oder die andere Regelung die für den Arbeitnehmer günstigere sein.

Wenn jetzt noch die Baustellen auf den Autobahnen fertig gestellt werden, dann…

Man darf ja mal träumen.  
 

Es grüßt Sie 

Ihr Matthias Janitzky


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