Blog: Lohnsteuerrecht

Vielen Dank für die Einladung zum Essen...

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08.05.2017
 

...aber beim Essen hört der Spaß auf, zumindest im Steuerrecht. So wird zum Beispiel im Rahmen von Lohnsteueraußenprüfungen hinterfragt, aus welchem Anlass eine Mahlzeit, ein Essen, eine Bewirtung – gleich wie man es bezeichnet – gewährt wurde und wer die Mahlzeit veranlasst, also bezahlt hat. Denn die Antwort auf diese Frage ist entscheidend für die steuerliche Wertung und kann bei den Beteiligten dazu führen, dass einem – auch im Nachhinein noch – das Essen sprichwörtlich im Halse stecken bleibt.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Essen ist nicht gleich Essen! Das weiß jeder, der in unterschiedlichen Gaststätten gegessen hat.  Auch das Lohnsteuerrecht kennt Unterschiede. Wenn es aber um die lohnsteuerliche Erfassung von Mahlzeiten geht, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt gewährt, unterscheidet man die Mahlzeiten nicht nach der Qualität, wohl aber dem Anlass der Mahlzeiteneinnahme und dem Veranlasser nach.


Liegt der Anlass im Arbeitsverhältnis des Arbeitnehmers begründet, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Mahlzeit in Höhe des tatsächlichen Werts steuerpflichtig ist. Dies ist z. B. bei sogenannten Belohnungsessen des Arbeitgebers der Fall. Liegt der Anlass im geschäftlichen Bereich des Arbeitgebers, führt die Teilnahme des Arbeitnehmers an einer geschäftlich veranlassten Bewirtung für diesen nicht zu Arbeitslohn.

Übliche, arbeitgeberveranlasste Mahlzeiten (Preis bis 60 Euro) anlässlich einer beruflich veranlassten auswärtigen Tätigkeit sind mit dem Sachbezugswert anzusetzen. Sie bleiben jedoch – anders als früher – seit der Reisekostenreform 2014 unversteuert, wenn der Arbeitnehmer für die betreffende Auswärtstätigkeit steuerlich dem Grunde nach eine Verpflegungspauschale geltend machen könnte. Als Ausgleich für diesen Besteuerungsverzicht, werden dem Arbeitnehmer die ihm zu gewährenden Verpflegungspauschalen prozentual (20% für ein Frühstück und jeweils 40 % für ein Mittag- oder Abendessen der Tageshöchstpauschale) gekürzt. Diese Systemumstellung kann bei den Teilnehmern einer geschäftlich veranlassten Bewirtung auf einer ebensolchen auswärtigen Tätigkeit zu einer unterschiedlichen steuerlichen Behandlung führen. Und zwar immer dann, wenn Arbeitnehmer unterschiedlicher Arbeitgeber an diesem Essen teilnehmen und nur ein Arbeitgeber lädt ein. Der Arbeitnehmer des einladenden Arbeitgebers erhält demzufolge eine arbeitgeberveranlasste Mahlzeit mit der Folge, dass seine Verpflegungspauschale nur gekürzt gewährt werden darf. Der andere Arbeitnehmer geht – mangels arbeitgeberveranlasster Mahlzeitenabgabe – mit der ungekürzten Verpflegungspauschale nach Hause.

In Erinnerung gerufen wurde mir diese unterschiedliche steuerliche Behandlung neulich durch einen Freund, der mir von folgender Begebenheit erzählte: Im Anschluss an einen längeren beruflichen Termin sei er mit einem Arbeitnehmer des Geschäftskunden noch essen gegangen. Bezahlt wurde die Rechnung in Höhe von 80 Euro über die Firmenkreditkarte des Arbeitgebers meines Freundes. Auf seiner Spesenabrechnung habe er dann ein paar Tage später festgestellt, dass sein Arbeitgeber ihm von der beantragten Verpflegungspauschale in Höhe von 12 Euro, 9,60 Euro (40 % der Tageshöchstpauschale von 24 Euro) in Abzug gebracht und lediglich noch 2,40 Euro steuerfrei ausgezahlt habe. Das habe es doch noch nie gegeben. Er sei bisher immer davon ausgegangen, dass geschäftliche Bewirtungen steuerfrei sein. Mein Einwand hierauf: sein Arbeitgeber habe alles richtig gemacht, schließlich hätte er von seinem Arbeitgeber auf einer beruflichen Auswärtstätigkeit etwas zu essen bekommen. Ihm seien dadurch ja auch Mehraufwendungen für seine Verpflegung gegenüber seinem Alltag erspart geblieben. Zudem sei ihm in dem Sinne ja auch nichts versteuert worden. Das sei Haarspalterei, er habe weniger steuerfrei ausgezahlt bekommen, das zähle – so mein Freund.   

Gut, betrachtet man nur die bereits angesprochene steuerliche Divergenz bei den Teilnehmern, hat er ja auch nicht ganz Unrecht. Vor 2014 blieb die Teilnahme an einer geschäftlichen Bewirtung auf einer beruflichen Auswärtstätigkeit unversteuert. Darüber hinaus konnte der Arbeitgeber die dem Arbeitnehmer zustehende Verpflegungspauschale ungekürzt steuerfrei auszahlen, gleich welcher Arbeitgeber Einladender war. Ab 2014 bleibt die Teilnahme an einer geschäftlich veranlassten Bewirtung zwar nach wie vor steuerfrei, sie führt jedoch – wegen eindeutiger gesetzlicher Vorgaben – ausschließlich bei dem Arbeitnehmer, dessen Arbeitgeber eingeladen hat, zu einer  „Kostenbeteiligung“ in Form der Kürzung seiner Verpflegungspauschale.  

Die Idee hinter der Kürzungsregelung ist, dass dem Arbeitnehmer in den Fällen einer beruflichen Auswärtstätigkeit mit Mahlzeitengewährung keine entsprechenden Mehraufwendungen für seine Verpflegung an einem auswärtigen Ort entstehen. Insofern ist es aus meiner Sicht in solchen Fällen auch nachvollziehbar, eine Pauschale, die nur den Mehraufwand für die Verpflegung ausgleichen soll, um einen entsprechenden Anteil zu kürzen. Die zusätzliche Verknüpfung mit der Komponente „Arbeitgeberveranlassung“ ist der Verfahrensvereinfachung geschuldet und kann, wie hier, zu unterschiedlichen Folgen bei gleichem Ergebnis führen. Beide Arbeitnehmer sind satt und ersparen sich Mehraufwendungen für eine Verpflegung. Und wieder einmal trifft die Weisheit zu: „Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“

Diese, ausschließlich dem Gesetz geschuldete Divergenz, habe ich in dem Gespräch mit meinem Freund dann aber nicht weiter vertieft.

 

Es grüßt Sie  

Ihr Matthias Janitzky

 

 

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