Blog: Lohnsteuerrecht

Wann ist ein Frühstück ein Frühstück?

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13.11.2017
 

Rums! Das Rätsel scheint gelöst! Jedenfalls wenn es nach dem FG Münster geht, sind Brötchen ohne Belag in Kombination mit Heißgetränken kein mit dem amtlichen Sachbezugswert anzusetzendes Frühstück, sondern bloß eine „Kost“. Und die ist nicht lohnsteuerpflichtig, wenn sie im Monat einen Wert von 44 € (Sachbezugsfreigrenze) nicht übersteigt.

Liebe Leserin, lieber Leser,


dem Westfalen sagt man eine gewisse Direktheit nach. Er möchte seine wertvolle Zeit einfach nicht mit Gerede verschwenden. Genauso direkt hat kürzlich das FG Münster seine Einschätzung in Form eines Urteils verkündet, dass zu den Mindeststandards eines Frühstücks neben Brötchen und Getränken auch ein entsprechender Brotaufstrich gehört. Mangelt es am Brotaufstrich liegt keine Frühstück in Form einer Mahlzeit vor. Eine erste Entscheidung in diesem elementaren Bereich des täglichen Lebens ist getroffen und fürwahr, sie ließe sich im Massenverfahren Lohnsteuer, einfach umsetzen. Sie kennt schließlich nur schwarz oder weiß.


Das Problem ist, es ist halt keine höchstrichterliche Entscheidung und in Ermangelung einer gesetzlichen Definition für den Begriff "Frühstück" drängt die FinVerw auf eine solche hin. Insofern dürfen wir demnächst unter dem Az. VI R 36/17mit einer Aufklärung aus München rechnen.  


Kurz zum Sachverhalt: im Streitfall bestellte die Klägerin arbeitstäglich Brötchen (Laugenbrötchen, Käsebrötchen, Käse-Kürbis-Brötchen, Rosinenbrötchen, Schokobrötchen und Roggenbrötchen etc.) sowie Rosinenstuten, die in Körben auf einen Büfett in der Kantine den gesamten Tag für die Mitarbeiter sowie für Kunden und Gäste zum unentgeltlichen Verzehr zur Verfügung standen. Es wurden dabei lediglich die trockenen Brotwaren, jedoch nicht Aufschnitt oder sonstige Beläge zur Verfügung gestellt. Weiterhin konnten die Mitarbeiter, sowie Kunden und Gäste sich ganztägig unentgeltlich aus einem Heißgetränkeautomaten bedienen.


Jeder hat gewiss seine eigene Einschätzung in Bezug auf die „wichtigste Mahlzeit des Tages“ (stimmt das eigentlich noch?) und das, was er zum Frühstück zu sich nimmt. „Frühstücke wie ein Kaiser“, so hat man es mir jedenfalls noch beigebracht. Aber, wer hat dafür unter der Woche noch Zeit? Zudem ist jeder Mensch (Gott sei Dank) verschieden. Der eine isst zum Frühstück Rührei mit Speck
und Würstchen, dem anderen reicht ein Espresso. 


Ich erinnere mich noch ganz genau an eine Urlaubsreise durch die Toskana. In einer netten Unterkunft in Montalcino frug die Gastgeberin meine Frau und mich, ob wir lieber ein europäisches oder ein italienisches Frühstück hätten. Ich war in Italien, also bestellte ich ein Italienisches Frühstück und musste erkennen, dass ich – im Gegensatz zu meiner Frau – schlecht vorbereitet war. Es gab eine kleine Kanne Espresso mit drei (selbstgebackenen) Keksen. In Italien isst man halt spät abends viel und morgens eher nichts.


Aber, hier geht es um Deutschland und gesucht wird eine, der Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens dienende, allgemeingültige Definition des Begriffs „Frühstück“. Vereinfachung und Steuerrecht ist jedoch vielfach keine gelungene Kombination, dafür ist der Deutsche einfach zu detailverliebt. Und genau daran hakt es auch im Streitfall.  


Denn, schaut man sich den Sachverhalt des Streitfalls noch mal genau an erkennt man, dass eben gerade nicht nur einfache „helle“ Brötchen angeboten wurden.  Bei den gestellten Brötchen handelte es sich um „besondere“ Brötchen (Laugenbrötchen, Käsebrötchen, Käse-Kürbis-Brötchen, Schokobrötchen und Roggenbrötchen, etc.) sowie um Rosinenstuten. Derartige Brötchen werden nicht selten „unbelegt“ verzehrt. Das gilt insbesondere für die Schokobrötchen, Käsebrötchen und Käse-Kürbis-Brötchen. Wobei,  müsste man bei Letzteren nicht sogar von einem Belag ausgehen…..?


Berücksichtigt man zudem noch die, mir von früheren täglichen Bahnfahrten noch hinlänglich bekannte, erhebliche Änderung der Essgewohnheiten der Deutschen in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten kann man auch zu der Erkenntnis gelangen, dass Belag auf einem Brötchen überbewertet wird. Meine Wahrnehmung ist jedenfalls die, dass in der heutigen Zeit das „Frühstück“ häufig schlicht auf dem Weg zur Arbeit, Universität oder Schule eingenommen wird. Wobei dann regelmäßig auf einen Kaffee to-go und einfachheitshalber auf ein unbelegtes Brötchen zurückgegriffen wird. Gesund geht anders, steht hier aber m. E. auch nicht zur Diskussion.

Gleich wie die höchstrichterliche Entscheidung einmal gefällt wird. Für mich zählt am Wochenende nur eins, Hauptsache es gibt ausreichend Tomaten und Mozzarella für mein Brötchen. Ein Frühstück am Wochenende hat halt nochmal eine andere Qualität, als in einer Arbeitswoche.

  

Es grüßt Sie 

Ihr Matthias Janitzky


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