Personalmanagement-Blog

Jetzt geht es dem Bier am Feierabend an den Kragen!

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05.07.2017
 

Eine Studie aus Großbritannien gibt Auskunft darüber, welche Auswirkungen langjähriger mäßiger Alkoholkonsum auf die Gesundheit hat.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

eine vor wenigen Wochen (am 6. Juni 2017) im British Medical Journal veröffentlichte Studie (Topiwala et al, 2017) hat das Potenzial, uns das gelegentliche Glas Bier oder Wein am Feierabend zu verderben.

 

Viele Fakten sind in Bezug auf den Alkoholkonsum und dessen Folgen wohlbekannt. So konsumieren wir Deutschen durchschnittlich etwa 10 Liter Alkohol pro Jahr. Rund 3,4 Millionen Deutsche trinken deutlich zu viel – sie sind von dieser Droge abhängig oder schädigen sich in gesundheitlicher oder sozialer Hinsicht durch den Alkoholverzehr. Pro Jahr sind durch den Alkoholkonsum etwa 74.000 Sterbefälle zu verzeichnen. Bedingt durch Alkoholkonsum werden Verkehrsunfälle, schwere Straftaten, Schädigungen des Embryos im Mutterleib u.v.m. verursacht.

 

„Ein geringfügiger und nur gelegentlicher Alkoholkonsum gilt als gesundheitlich unbedenklich“ – so die Meinung von Batra, Müller, Mann und Heinz (2016, S. 302). Als gesundheitlich unbedenklich gilt dabei gemäß der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen eine Menge von bis zu 12 Gramm reinen Alkohols pro Tag für Frauen sowie der doppelten Menge für Männer (zur Einordnung: ein Liter Bier enthält etwa 40 Gramm reinen Alkohol). Gelegentlich werden auch positive Auswirkungen von mäßigen Alkoholkonsums diskutiert: so soll der Verzehr – insbesondere von Rotwein – angeblich eine positive Auswirkung auf das Herz-Kreislauf-System haben (z. B. aerzteblatt.de, 2017); auch das Gehirn soll von geringen Mengen Alkohols profitieren.

 

Am letzten Punkt setzt nun die Studie der Briten an. Sie untersuchten, welche Auswirkungen ein langjähriger, mäßiger Alkoholkonsum auf die Struktur und die Funktionsfähigkeit des Gehirns hat. Sie nutzten hierzu Daten einer Längsschnittsstudie, bei der seit 30 Jahren Beschäftigte des öffentlichen Sektors in Großbritannien in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht untersucht werden. Die Stichprobe umfasste 550 Männer und Frauen verschiedener sozialer Schichten, die nicht von Alkohol abhängig waren. Im Zeitverlauf wurde mit Tests die geistige Leistungsfähigkeit der Studienteilnehmer erhoben, zudem wurden am Ende des Beobachtungszeitraums mit MRT-Untersuchungen Veränderungen der Hirnsubstanz erfasst.

 

Ergebnis der Studie: Die geistige Leistungsfähigkeit („lexical fluency“) der Studienteilnehmer wird sogar durch mäßigen, langjährigen Alkoholkonsum beeinträchtigt. Selbst Personen, die pro Woche lediglich 56 bis 112 Gramm Alkohol zu sich nehmen (etwa 1,5 bis 3 Liter Bier), verlieren 14 % mehr an kognitiver Leistungsfähigkeit als die abstinenten Versuchsteilnehmer. Ab einem Alkoholkonsum von etwa 112 bis 224 Gramm Alkohol/Woche lässt sich vermehrt eine Abnahme des Nervenzellgewebes in der Hippocampus-Region des Gehirns feststellen. Abstinente Personen und Personen mit einem Alkoholkonsum von 56 bis 112 Gramm / Woche unterscheiden sich nicht im Hinblick auf Veränderungen der Hirnsubstanz im Hippocampus – von einem protektiven Effekt mäßigen Alkoholkonsums kann also keine Rede sein. Der Hippocampus ist übrigens eine Hirnstruktur, die u.a. für unser Gedächtnis von wesentlicher Bedeutung ist. Abbauprozesse im Hippocampus werden auch bei Demenzerkrankungen beobachtet.

 

Eine Folgerung aus den Studienergebnissen ist, dass die o. g. Grenzwerte für gesundheitlich unbedenklichen Alkoholkonsum kritisch hinterfragt werden sollten. Zudem sollte im Behördlichen Gesundheitsmanagement das Thema „Alkoholkonsum“ berücksichtigt werden.

 

Herzlichst

 

Ihr

Andreas Gourmelon

 


 

Quellen:

 

Batra, A.;  Müller, C. A.; Mann, K. & Heinz, A. (2016). Abhängigkeit und schädlicher Gebrauch von Alkohol.  Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 17, S. 301 – 310.

 

Seitz,  H. K. , Bühringer G. & Mann,  K (2008). Grenzwerte für den Konsum alkoholhaltiger Getränke. In DHS (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2008. Geeshacht: Neuland.

 

Topiwala, A. et al (2017). Moderate alcohol comsumption as risk fadtor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study. https://doi.org/10.1136/bmj.j2353 (Abruf am 13.6.2017).

 

aerzteblatt.de (2017). Mässiger Alkoholkonsum. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/73762/Maessiger-Alkoholkonsum-in-Studie-erneut-mit-weniger-Herz-Kreislauf-Erkrankungen-assoziiert (Abruf am 13.6.2017).


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