Personalmanagement-Blog

Was bewirkt gute Studienleistungen?

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17.05.2017
 

Eine aufsehenerregende Studie deutscher Psychologen fasst die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung zu den Leistungen von Studierenden zusammen. Nun herrscht Gewissheit darüber, was zu guten Leistungen bei Studierenden führt. Die Ergebnisse sind für die Auswahl von Studierenden, die Gestaltung der Rahmenbedingungen an den Hochschulen sowie für die Auswahl und Entwicklung von Dozierenden bedeutsam.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

selten gründen sozialwissenschaftliche Studien auf einer derartig umfassenden Datensammlung wie diejenige der Trierer Psychologen Michael Schneider und Franzis Preckel. Die Professoren zogen ihre Erkenntnisse aus den Daten von rund 1,92 mio. Personen. Dabei untersuchten die Forscher die Personen nicht selbst, sondern reanalysierten die Ergebnisse von empirischen Studien. Hierzu befassten sich Schneider und Preckel mit 38 für ihre Zwecke besonders aussagekräftigen Metanalysen aus den Jahren 1980 bis 2014. Es sei erwähnt, dass Metaanalysen wiederum eine Zusammenfassung einer Vielzahl empirischer Studien darstellen. Vereinfachend ausgedrückt, haben die Trierer Psychologen eine statistische Zusammenfassung zweiter Ordnung einer Vielzahl von Einzelstudien durchgeführt.  

 

Unter anderem wurde das Ausmaß des Einflusses von 105 Variablen auf die Studienleistung von Studierenden aufgelistet. Zu diesen Variablen zählen beispielsweise verschiedene Maßnahmen der Hochschuldidaktik, Rahmenbedingungen des Lehr- und Lernbetriebs oder Persönlichkeitsmerkmale der Studierenden. Das Ausmaß des Einfluss wurde mit dem Maß Cohen´s d quantifiziert. Dieses misst, inwieweit sich Studierende, die einer bestimmten Maßnahme oder einem bestimmten Einfluss ausgesetzt sind, gegenüber einer Kontollgruppe von Studierenden, die diesem Einfluss nicht ausgesetzt sind, in der Leistung verbessern.

 

Hier einige ausgewählte Ergebnisse:

 

Im Bereich der Hochschuldidaktik sind folgende Maßnahmen besonders effektiv:

  • die Dozierenden sollten mit Hilfe von Beispielen und Veranschaulichungen abstrakte Themen erläutern,

  • sie sollten bei den Studierenden Interesse für die Lehrinhalte wecken,

  • die Dozierenden sollen Fragen der Studierenden aufnehmen und Diskussionen anregen,

  • die Aussprache der Dozierenden sollte klar und akzentuiert sein, die Sprechweise nicht monoton,

  • die Dozierenden sollten bemerken (und darauf reagieren), dass Studierende ihren Ausführungen nicht mehr folgen können,

  • die Dozierenden sollten für ihr Fach „brennen“ und dies den Studierenden auch kommunizieren,

  • Freundlichkeit der Dozierenden, respektvolles Verhalten gegenüber den Studierenden.

 

Auf Seiten der Studierenden sind folgende Persönlichkeitsmerkmale und Komptenzen herausgehoben bedeutsam:

  • Intelligenz,

  • Erfolgswille (achievement motivation),

  • Durchhaltevermögen (effort regulation),

  • Lerntechniken,

  • Gewissenhaftigkeit,

 

Bei den Rahmenbedingungen des Lehr- und Lernbetriebs ist beispielsweise der regelmäßige Besuch der Lehrveranstaltungen hoch effektiv, auch interaktive, digitale „Lernumgebungen“ sind wichtig, aber in geringerem Ausmaß. Der Studienerfolg wird auch durch die finanzielle Unterstützung der Studierenden durch die Hochschule oder andere Organisationen positiv beeinflusst.

 

Erste Folgerungen, die m. E. aus der Studie von Preckel und Franzis für die Lehre an internen Fachhochschulen gezogen werden können, sind:

 

  • die finanzielle Unterstützung der Studierenden durch die Einstelllungsbehörden stellt eine gute Investition dar,

  • Regelungen, die zu einem regelmäßigen Besuch von Lehrveranstaltungen führen, sind begrüßenswert,

  • die Auswahl von Nachwuchskräften mit Hilfe von Intelligenz- und Persönlichkeitstests ist lohnenswert,

  • auch auf motivationale Aspekte sollte bei der Auswahl von Nachwuchskräften Wert gelegt werden,

  • bei der Auswahl von Dozierenden, insbesondere bei der Prüfung der pädagogischen Eignung, kann nun auf evidenzbasierte Kriterien für die Beobachtung und Beurteilung von Probelehrveranstaltungen zurückgegegriffen werden,

  • bei der Allokation von Ressourcen durch die Hochschulleitung sollte die Entwicklung von Lehrkompetenzen prioritär gegenüber dem Einsatz von technischen Hilfsmitteln behandelt werden. Die Investition in die didaktischen Kompetenzen der Dozierenden ist rentabler als die Investition in Bits und Bytes: „Mit Technologie allein lässt sich die Leistung von Studenten kaum verbessern. Am Ende kommt es vor allem auf gut gemachte Präsenzveranstaltungen von klar formulierenden, unterhaltsamen Dozenten an“ (Heinrich, 2017),

  • die Qualität von Lehrtätigkeiten kann durch die Vermittlung relativ einfacher Kompetenzen deutlich verbessert werden. Die Personalentwicklung von Dozierenden ist als ein bedeutsames Instrument zur Verbesserung der Studienleistungen anzusehen.

 

Geniesen Sie die Mai-Sonne

 

Herzlichst

 

Ihr

Andreas Gourmelon


 

Quellen:

 

Heekerens, H.-P. (2017). Wei macht man(n und frau) gute Hochschullehre? https://www.socialnet.de/materialien/27800.php (Abruf im Mai 2017).

 

Heinrich, C. (2017). Kommt vorbei, stellt Fragen! Die Zeit, Ausgabe vom 23.2.2017, S. 59. http://www.zeit.de/2017/07/studium-leistung-studenten-dozenten

 

Schneider, M. & Preckel, R. (2017, March 23). Variables associated with achievement in Higher Education: a systematic review of meta-analyses. Psychological Bulletin. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/bul0000098 (Abruf im Mai 2017).


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